Bearbeitung von Rassismus

Rassistische Konflikte werden in der Schweiz primär mithilfe zweier Ansätze bearbeitet: dem antirassistischen und dem (multi-/)interkulturellen Ansatz. Beide beleuchten Aspekte wie kulturelle Zugehörigkeit, Ungleichheitserfahrungen oder individuelle soziale Veränderungen. Sie wollen Zusammenhänge zwischen Globalisierung und Migration erklären sowie ein besseres Verständnis zwischen den Gruppen schaffen.

Der Fokus der beiden Ansätze ist jedoch unterschiedlich. Ein Beispiel zur Verdeutlichung: Vertreterinnen und Vertreter des interkulturellen Ansatzes führen einen Streit zwischen einem Senegalesen und einem Schweizer primär auf kulturelle Missverständnisse und Wahrnehmungsblockaden zurück und beschreiben ihn als Mentalitätskonflikt (Welsch 1997). Im Gegensatz dazu verweisen Vertreterinnen und Vertreter des rein antirassistischen Ansatzes in erster Linie auf das Machtungleichgewicht. Diese beiden Sichtweisen beleuchten jeweils einen Aspekt des Geschehens.

Der (multi-/)interkulturelle Ansatz sieht Kultur als sehr prägend für das Zusammenleben an. Er betont kulturelle Unterschiede stärker als Gemeinsamkeiten. Dieser manchmal auch dem Kulturrelativismus zuneigende Ansatz zeigt sich in der Auffassung, bestimmte Normen und Praktiken seien jeweils aus der Kultur heraus zu erklären und hätten nur dort Gültigkeit.

Der universalistische Ansatz hingegen geht von unteilbaren, global für alle geltende Normen und Prinzipien aus. Er betont die Gemeinsamkeit und tendiert dazu, allgemeingültige Standards zu definieren und Unterschiede auszublenden.

Seit Ende der 90er-Jahre steht zusätzlich das Konzept der Transkulturalität in der Diskussion. Dieses plädiert für ein dem modernen Leben besser angepasstes Konzept von Kultur. Jeder Mensch ist geprägt von unterschiedlichsten Einflüssen und gehört verschiedensten Gruppen an. Kultur meint hier viel mehr als nationale oder ethnische Zugehörigkeit. Welches Geschlecht ein Mensch hat, welchen Beruf er ausübt, wie alt er ist und ob er auf dem Land oder in der Stadt wohnt, kann ihn genauso prägen wie seine Nationalität – oder sogar mehr.

Im Gegensatz zum geschlossenen Kulturverständnis des interkulturellen Ansatzes dient Kultur in dieser Sichtweise nicht primär der Abgrenzung. Vielmehr verleiht Kultur dem Menschen die Möglichkeit, gegenüber anderen Kulturen nach Gemeinsamkeiten und Anknüpfungspunkten zu suchen. Die Identität eines Menschen kann dabei immer noch durch die ethnische Zugehörigkeit oder durch die Gemeinschaft bestimmt sein, aber sie muss es nicht. Die Menschen können über ihre Zugehörigkeit zu einer oder mehreren Gruppen selbst entscheiden (Welsch 1997).

Zur Bearbeitung rassistischer Vorfälle im Klassenzimmer eignet sich unserer Ansicht nach am besten die Kombination des politischen, antirassistischen Ansatzes einerseits und des breiten transkulturellen Verständnisses andererseits. Wir nennen diesen kombinierten und zusätzlich erweiterten Ansatz im Folgenden den diversifizierten antirassistischen Ansatz.

Um die Vorteile eines solchen Ansatzes darzulegen, folgt zunächst eine kurze Beschreibung der Geschichte und der Entwicklung der verschiedenen Ansätze im spezifischen Zusammenhang mit rassistischer Diskriminierung. Es wurden vor allem aus dem antirassistischen und aus dem (multi-/)interkulturellen Ansatz bestimmte Modelle entwickelt. Diese sind wichtig für das Verständnis der praktischen Anwendbarkeit des diversifizierten antirassistischen Vorgehens.